top of page

Wer war Viktor Frankl?

 

Das Leben hat einen Sinn und behält es unter allen Umständen, auch im Leiden (Viktor Frankl).

 

Viktor Frankl (1905 -1997) war ein österreichischer Neurologe und Psychiater. Er ist der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, eine Therapie und philosophische Denkrichtung, die die Sinnfindung als heilende Kraft in den Mittelpunkt stellt. Voraussetzung dafür ist ein ganzheitliches Menschenbild, das den Menschen als ein nach Sinn strebendes Lebewesen versteht. Nicht die äußeren Umstände entscheiden über die Würde des Menschen, sondern „seine Fähigkeit, sich aufgrund des freien Willens zu diesen Umständen in einer Weise zu verhalten, die den größten Sinn für ihn machen“ (Migge 2016).


Die Entstehung der Logotherapie (griechisch logos für Sinn) ist eng mit Viktor Frankls eigener Biografie verknüpft. Der Selbstmord eines Mitschülers veranlasste ihn früh, sich mit der Frage zu beschäftigen, was das Leben einem Menschen bieten sollte, damit man sich dafür, nicht dagegen entscheidet. Wofür lohnt es sich zu leben? Welchen Sinn kann man in seinem Leben finden – auch unter schwierigen Umständen? Als leitender Arzt des „Selbstmörderinnen-Pavillons“ in einem Wiener Krankenhaus ging er diesen Aspekten gemeinsam mit seinen Patientinnen nach. In der Zeit von 1933 bis 1937 behandelte er bis zu 3000 Frauen jährlich. Frankl sah die Frage nach Sinnhaftigkeit als etwas an, was den Menschen als solches auszeichnet: „Das In-Frage-Stellen des Lebenssinns kann daher niemals an sich etwa der Ausdruck von Krankhaftem am Menschen sein; es ist vielmehr eigentlicher Ausdruck des Menschseins schlechthin“ (Viktor Frankl).


Nach Frankl stehen dem Menschen verschiedene Möglichkeiten offen, sich auf die Sinnsuche zu begeben und Sinn zu finden. Es handelt sich um bestimmte Wertgruppen, die als Hauptstraßen zum Sinn bezeichnet werden. Sie heißen: Schöpferische Werte („eine Tat, die wir umsetzen, ein Werk, das wir schaffen“), Erlebniswerte (z.B. „ein Erlebnis, eine Begegnung“) und Einstellungswerte (z.B. „Liebe“). 

In anderen Worten kann man sagen, dass der Mensch Sinn erfahren kann, weil er entweder etwas tut, etwas erlebt oder sich zu einer bestimmten Sache in seiner Einstellung verhält und dadurch aktiv Sinn herstellt. Die letzte Kategorie, nämlich die Einstellungswerte, sah er als herausforderndste an, aber auch als die, mit dem größten Potenzial von Sinnhaftigkeit.


Wie aber lässt sich Sinn herstellen in einer Situation, in der scheinbar alles sinnlos und verloren ist?


Das Ringen um Sinnhaftigkeit unter widrigsten Lebensumständen erlebte Viktor Frankl – existentiell bedroht – in den Jahren im Konzentrationslager. Als Juden wurden er und seine Familie 1942 deportiert; wovon er als Einziger überlebte.


Insgesamt drei Jahre hat Viktor Frankl in vier Konzentrationslagern verbracht, in Theresienstadt, Ausschwitz, Kaufering III und Türkheim. Seine Erlebnisse hielt er eindrucksvoll in seinem Buch …trotzdem Ja zum Leben sagen fest, in dem er die erlebten Gräueltaten nicht als Anklage formulierte, sondern als Beschreibung seines inneren Erlebens und wie er – mit Hilfe der Sinnhaftigkeit – einen Weg für sich fand, damit umzugehen. Trotzdem Ja zum Leben sagen zählt in den USA heute noch zu den einflussreichsten Büchern und gilt dort als Standardbildungslektüre.


Im Konzentrationslager stellte er fest, dass die Häftlinge früher starben, die sehr schnell keinen Sinn mehr in ihrem Leid, ihrem Dasein sehen konnten. Frankl jedoch war davon angetrieben, zu überleben, um anderen beizustehen in dieser schweren Situation und um irgendwann einmal davon berichten zu können. Er widmete sich in Gedanken seinem im Konzentrationslager verloren gegangenen Manuskript zur „ärztlichen Seelsorge“. Er formulierte im Geiste Vorträge, die er einmal halten würde, wieder und wieder, und rettete sich auf diese Weise aus der grausamen Realität in eine erdachte Zukunft, bis zum Tage seiner tatsächlichen Befreiung im April 1945 durch US-Truppen.


Insgesamt verfasste Frankl über 32 Bücher, die in 28 Sprachen übersetzt wurden. Ab 1950 unternahm er Vortragsreisen in alle Welt, alleine über 90-mal reiste er in die USA, wo er verschiedene Gastprofessuren ausübte. Er erhielt 29 Ehrendoktorate, die meisten von amerikanischen Universitäten. Vielleicht ist er damit der am höchsten ausgezeichnete Psychotherapeut oder philosophische Praktiker der Welt.

 

 

Die Auseinandersetzung mit Sinnfragen ist heute aktueller denn je. Aufgrund ihrer großen Bedeutung sollte sie unbedingt bei der psychologischen Beratung miteinbezogen werden. Deshalb spielen die Themen Sinn und Werte eine wesentliche Rolle bei meiner Arbeit.

 

 

 

 

Verwendete Quellen und Literaturtipps:


Frankl, V. E. (2008). Bergerlebnis und Sinnerfahrung (6. Aufl.). Tyrolia Verlag.

Frankl, V. E. (2017a). Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse (7. Aufl.). Dtv Verlagsgesellschaft.

Frankl, V. E. (2017b). Dem Leben Antwort geben. Autobiografie. Beltz Verlag.

Migge, B. (2016). Sinnorientiertes Coaching (1. Aufl.). Beltz Verlag.

Viktor Frankl Institut. (2025). Biographie. https://viktorfrankl.org/biographie.html

Viktor Frankl Institut. (2025). Logotherapie und Existenzanalyse. https://viktorfrankl.org/logotherapie.html

Viktor Frankl Zentrum Wien (2025). Bleiben Sie Gestalter:in Ihres Lebens! https://www.franklzentrum.org/museum/rundgang.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 
 
bottom of page